zur Startseite


Startseite
Termine
Aktuelles

Chronik

Verein
Vorstand
Königsbünde
Spielmannszug
Tanzgarden

Könige
Kaiser
Prinzen

Gästebuch
Forum

Interessante Links
E-Mail-Verzeichnis
E-Mail-Login


Kontakt
Impressum


Verein
Spielmannszug



Die Chronik des Schützenvereins Sutrum-Harum

Vorwort zur Chronik

Die ersten 60 Jahre
Bis zum ersten Weltkrieg
Zwischen den Weltkriegen
Im III. Reich
Der zweite Weltkrieg
Nach dem zweiten Weltkrieg
In den 50er Jahren
In den 60er Jahren
Zu Beginn der 70er Jahre
150-jähriges Bestehen (Jubelfest 1976)

Die folgende Texte und Fotos stammen
aus der Festschrift zum Jubelfest 2001.
“175 Jahre Schützenverein Sutrum-Harum”

Einige Textpassagen wurden vom Webmaster angepasst, gekürzt oder illustriert.


Vorwort zur Chronik aus der Festschrift zum Jubelfest im Jahr 2001
Die Chronik eines Vereins zu schreiben, der sein 175 jähriges Bestehen feiert und dessen schriftliche Unterlagen nur von den letzten 50 Jahren vorliegen, weil alle älteren Belege durch die Wirren der Zeit, insbesondere durch die Besatzung gegen und nach Ende des 2. Weltkrieges und durch die Belegung des Vereinslokals mit Besatzungstruppen, verloren gegangen sind, ist ein etwas schwieriges und gewagtes Unterfangen. Notgedrungen muss eine solche Arbeit lückenhaft bleiben und auch gewisse Risiken betreffs Genauigkeit und Exaktheit der Aufgaben in Kauf nehmen. Der Verein war sich lange des herben Verlustes all der Unterlagen schmerzlich bewusst, und der im Jahre 1966 amtierende Vorstand mit dem Vorsitzenden Paul Flüthmann sagte sich: Klagen nützt nichts; wir müssen versuchen, die Vereinsgeschichte so gut wie möglich wieder auszugraben, zu rekonstruieren und festzuhalten, bevor immer mehr verblasst und verloren geht. So regte er an, die alten und vormals aktiven Mitglieder zu einer Zusammenkunft einzuladen. Im November 1966 trafen sich die Mitglieder des Vorstandes mit folgenden Herren: Ehrenvorsitzender Josef Laumann, Bernhard Voß, Rudolf Janning, August Müller, August Naber, August Volkery, August Flüthmann, Bernhard Stegemann, Johannes Antemann, Josef Spinola und Karl Klünnen. Das reiche Wissen dieser Männer wurde auf Tonband festgehalten und vom Schriftführer Bernhard Altenhülsing ausgewertet. Diese Ergebnisse, dazu zahlreiche Fotografien und Belege, die im Besitz einzelner Mitglieder waren und um deren Sammlung und Beibringung sich der Ehrenvorsitzende, der Vorsitzende und der Schriftführer mühten, brachten so viel Material zusammen, dass man es wagen konnte, eine ziemliche hieb- und stichfeste Chronik aufzubauen, mit dem Mut zur Lücke. Die ganzen Unterlagen wurden vom ehemaligen Vorsitzenden Heinz Schürmann mit enormem Fleiß überprüft, berichtigt und ergänzt. Sie bilden heute die Grundlage dieser Chronik.



Die ersten 60 Jahre
Tag und Datum der Vereinsgründung sind nirgendwo aufgezeichnet. Das Jahr 1826 wird als Gründungsjahr des Vereins angegeben. Es ist anzunehmen, dass der Verein aber älter ist. In einem Schriftstück vom 13. Januar 1830 hatte der damalige Bürgermeister Ludwig Reinhardt zu berichten, welche Vereine in Neuenkirchen Vogelschießen hatten. In diesem Schriftstück sind auch die Mitgliederzahlen angegeben. Der Schützenverein Sutrum-Harum hatte demnach 28-30 Mitglieder.
Aus der Überlieferung übernehmen wir, dass es sich in Sutrum-Harum im Jahre 1826 um eine Wiedergründung handelt. Initiator war damals der am 27.04.1798 geborene Bernard Hermann Keuhs vom damaligen Hof Flüthmann-Bölscher, heute Wilhelm Naber. An irgendeinem Tage des Jahres 1826 rief er zu einer Versammlung in der Gastwirtschaft Lacombe - heute befindet sich dort die Metzgerei Evers - auf, um über die Wiedergründung eines Schützenvereins Sutrum-Harum zu beraten und ihn wieder ins Leben zu rufen. Etwa 20 Männer aus der Bauerschaft folgten seinem Aufruf. Die Geburtsstätte lag also außerhalb der Bauerschaft, und 50 Jahre lang feierte der Verein in Ermangelung einer Gaststätte in der Bauerschaft daselbst alle Veranstaltungen.
Wer glaubt, dass man nach Gründung mit vollen Segeln auf das Schützenfest zusteuerte, irrt sich. Man handelte nach der Devise: Gut Ding will Weile haben. Erst zwei Jahre nach der Gründung, also im Jahre 1828, wurde das erste Schützenfest gefeiert. Wer den Königsschuss tat, ist nicht bekannt, auch nicht, wie die Königsehrung vonstattenging und welche Rechte und Pflichten der König hatte. Eine Königskette war mit Sicherheit nicht vorhanden. Es ist auch kaum anzunehmen, dass der König durch irgendwelche anderen Insignien ausgezeichnet wurde. 34 Männer sollen sich an diesem ersten Schützenfest beteiligt haben.

Auch für die folgende Zeit bis in die neunziger Jahre des vorvorigen Jahrhunderts sind aus der Überlieferung nur sehr dürftige gesicherte Kenntnisse vorhanden. Es ist z.B. nicht bekannt, in welchen Abständen das Schützenfest gefeiert wurde; sicherlich nicht jedes Jahr. Fraglich bleibt, ob es dafür überhaupt eine feste Ordnung gab oder ob man nur unter günstigen Verhältnissen feierte. Man darf wohl annehmen, dass der Verein noch über keine Satzungen und Statuten verfügte. Am 26. Dezember 1861 starb der Gründer des Vereins. Wie lange er in der Führung des Vereins tätig war, ist unbekannt.

Außer dem Schützenfest feierte man auch sehr bald Fastnacht “Fastaobend”. Am Tage vor dem Fest wurden bei den Mitgliedern Mettwürste aufgeholt, die dann im Vereinslokal gebraten und mit Kartoffeln und Apfelkompott verzehrt wurden. Schnaps und Bier wurde dabei reichlich zugesprochen. Ein Musiker, gewöhnlich jemand aus der Bauerschaft, sorgte für Unterhaltung. Der deutsch-französische Krieg 1870/71 forderte auch etliche Opfer unter den Schützenbrüdern, an die eine heute noch vorhandene Fahnenschleife erinnert.

Im Jahre 1876 wurde das Vereinslokal Lacombe aufgegeben. Gerhard Kaulinglöbbers hatte das Anwesen Nr. 42 in Sutrum-Harum erworben und richtete dort eine Gastwirtschaft ein. Er war kein gebürtiger Neuenkirchener, sondern hatte etliche Jahre als Knecht in Diensten des Gastwirtes Schmitz (Niehues/Hospes) gestanden und war unter der Bevölkerung in dieser Position mit seinem Rufnamen und mit seiner Beziehung zu seinem Dienstherrn recht populär geworden. Man kannte ihn nur als Schmitz' Giärd. Diesen Namen nahm er auch mit in die Bauerschaft Sutrum-Harum. Man ging nach Schmitz Giärd oder nach 42 (Tweenvettig), aber nie nach Kaulinglöbbers.
Seine Originalität und sein Witz ließen die Bewohner Sutrum-Harums sich bei ihm wohlfühlen, und der Schützenverein wählte sich die neue Gaststätte als Vereinslokal. Die Kundschaft in einer so abgelegenen Wirtschaft und demzufolge der Verzehr waren in den ersten Jahren gering. Das Bier war oft abgestanden und schal. Beschwerten sich die Gäste: “Giärd, dat Beer schmeck nich!”, so antwortete er ungerührt “Well't nich mag, kann't staohn loaten, usse Giärd un ick müegt't wull”, wobei er sich in doppelter Person verstand.


Bis zum ersten Weltkrieg
Ab 1890 fließen die Nachrichten und Kenntnisse über den Schützenverein etwas reichhaltiger. Der erste namentlich bekannte König ist Hermann Mühren. Ihm gelang 1891 der Königsschuss. Die Könige der Jahre 1892 - 1896 sind nicht bekannt. 1897 wurde Hubert Brink Schützenkönig; er erkor sich Maria Heßling - Klünnen - vom Vinnhagen zur Königin.
Aus dieser Zeit sind auch einige Einzelheiten vom Schützenfest bekannt.
Der Verein zählte ca. 40 Mitglieder. Das Schützenfest wurde an einem Montag gefeiert. Die am Fest teilnehmenden Schützenbrüder zahlten ein Gelag von 4,00 Mark. Die Offiziere trugen als einzigen Schmuck einen Federbusch; beritten waren sie noch nicht. Die Vogelstange stand bei Kösters - heute Stegemann - an der Mesumer Straße (Kösters bi de Schüttenrode). Geschossen wurde mit einem Karabiner auf einen hölzernen Vogel. Die Krönung des Königspaares erfolgte gleich im Anschluss an den Königsschuss unter der Vogelstange. Dem Königspaar oblagen gewisse Pflichten. So hatte die Königin dem Vorstand und den Offizieren ein Abendessen zu servieren. Der König musste auf dem Königsball allen Schützenbrüdern einen Schnaps spendieren und für die Damen ein Glas Zuckerbier. Nach dem Abendessen versammelten sich die Schützen mit ihren Damen zur festlichen Polonaise durch die Bauerschaft, angeführt von einer Musikkapelle. Eine selbst-gefertigte Fahne wurde vorangetragen. Der Königsball fand auf der Tenne des Vereinslokals


Hermann Mühren

statt. Sie reichte weder in ihren Ausmaßen noch in der Qualität für einen ordentlichen Ball. Damit aber das Tanzbein in rechter Weise geschwungen werden konnte, wurde auf dem Dielenpflaster ein Bretterfußboden verlegt, und extra angestellte Ordner sorgten dafür, dass beim Tanz auch alle an die Reihe kamen. Verheiratete und Junggesellen feierten getrennt. Der Grund dafür scheint Platzmangel gewesen zu sein.
Das Jahr 1900 brachte einige Veränderungen und Neuerungen. Zum ersten mal feierten Verheiratete und Junggesellen den Königsball zusammen. Der Vereinswirt hatte diese Möglichkeit durch den Neubau eines Saales geschaffen. Erstmalig ist auch die Rede von einem Kirchgang. Während der Messe spielte im Turm der neuen Kirche die hiesige Feuerwehrkapelle. Nach der Messe fand in der Gastwirtschaft Gatersleben ein Frühschoppen statt, ein Brauch, der zur Tradition wurde und bis 1999 fester Bestandteil zum Sutrum-Harumer Schützenfest war. Nach Schließung der Gaststätte Gatersleben im Jahre 2000 findet der sog. Kleine Frühschoppen in der Gaststätte “Haus Niehues”, Inh. Heinz Klumps, statt.
Im Jahre 1900 wurde auch eine neue Fahne angeschafft. Das erforderliche Geld hatten die Schützenbrüder August Pohl und Gerhard Mühren bei den Mitgliedern gesammelt. Die alte selbstgefertigte Fahne wurde jedoch bei Veranstaltungen weiterhin mitgeführt.


Heinrich Schürmann
König 1904 und 1908
Der Vorstand um die Jahrhundertwende bestand aus den Herren August Laumann, Bernhard Löcken, Hermann Kappelhoff und Bernhard Mühren. An der Spitze des Vereins stand also ein Vierergremium vom Brink. Von einer Aufteilung der Ämter ist nichts bekannt, wahrscheinlich wurde die Arbeit in gut nachbarschaftlicher Art geleistet. Gleichwohl wird die Rolle des Vorsitzenden August Laumann zugeschrieben. Zu dieser Zeit wurde das Schützenfest schon jährlich gefeiert. Die Liste der bekannten Könige jedoch weist bis zum Jahre 1910 noch beträchtliche Lücken auf. So sind die Könige von den Jahren 1898 - 1903, 1907 und 1909 unbekannt und nicht mehr festzustellen. Die Königswürde scheint auch nicht sehr begehrt gewesen zu sein; denn 1908 zauderte man sehr lange, den entscheidenden Schuss zu tun. Schließlich soll sich Heinrich Schürmann, der bereits 1904 König geworden war, ein Herz genommen und den Vogel den Garaus gemacht haben mit den Worten: “Wenn't nich eene dohn will, do ick't noch eenmoal”. Ob die geringe Bereitschaft finanzielle Ursachen hatte? Zumindest scheint die finanzielle Lage des Vereins um diese Zeit nicht gerade rosig gewesen zu sein; denn 1911 verpflichtete man aus Sparsamkeitsgründen eine billige Kapelle aus Ochtrup, verlegte das Schützenfest wieder auf den Sonntag und gewährte auch Nichtmitgliedern Zutritt zum Tanz. Für die Vereinskasse waren die Maßnahmen erfolgreich. Nach Einlösung aller Verpflichtungen wies sie noch einen Bestand von 300,00 Mark aus.

Vom Schützenfest 1914, dem letzten vor dem ersten Weltkrieg existiert noch ein Bild. Es ist das erste und damit älteste Bild einer Sutrum-Harumer Schützengesellschaft.
Aufgenommen wurde es von Bernhard Hegemann, einem Sohn der Bauerschaft und Schützenbruder, später weit im Umkreis als Heimatdichter bekannt geworden.
Schützenfest 1914


Neben dem Schützenfest wurde im Verein Fastnacht, “Fastaobend”, gefeiert. Besonders beliebt war bei den jungen Vereinsmitgliedern das Mettwurstaufholen in der Bauerschaft. Dabei ging es derb und lustig zu, und mit den nötigen Promille im Blut stieg die karnevalistische Stimmung.


Ehrentafel 1914-1918
Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges am 01. August 1914 ruhte der Schützenverein. Fast alle wehrfähigen Schützenbrüder wurden zum Kriegsdienst einberufen, um an den verschiedenen Fronten Heimat, Volk und Vaterland zu schützen. 42 Väter und Söhne aus Sutrum-Harum kehrten nicht in die Heimat zurück.
Eine große Gedenktafel hält ihre Namen fest und hat im Vereinslokal einen Ehrenplatz gefunden.



Zwischen den Weltkriegen
Das der Schützenverein nach dem verlorenen Krieg, der doch sehr viel Leid in die Familien gebracht hatte, so rasch zu neuem Leben erwachte, verwundert uns heute sicherlich, zeigt aber andererseits, wie tief er in den Herzen verwurzelt war. Nur ein gutes halbes Jahr nach Kriegsende, im Sommer 1919, wurde wieder ein Schützenfest gefeiert. König wurde Josef Naber. Vorausgegangen war die Wahl eines neuen Vorstandes; zum 1. Vorsitzenden wurde Karl Sandmann gewählt, zum Schriftführer Rudolf Janning.
Die Phase zwischen den beiden Weltkriegen darf man für den Schützenverein Sutrum-Harum als recht erfolgreich bezeichnen. Die Zahl der Mitglieder wuchs stetig. Im Jahre 1920 wies das Mitgliederverzeichnis 84 Namen aus. Bei dieser stattlichen Zahl wuchsen auch das Selbstvertrauen und der Unternehmungsgeist des Vorstandes. So schaffte er zunächst die lang ersehnte Königskette an. Schützenkönig August Flüthmann konnte als erster sein Schild an die Kette heften.


Nun trug sich der Verein mit dem Gedanken, einen Spielmannszug aufzubauen. Schriftführer Rudolf Janning und Bernhard Mühren nahmen sich der Angelegenheit besonders an. Bald hatten sie 8 junge Männer gewonnen, dazu als Übungsleiter die Herren Rudolf Rengers und Heinrich Hopp. Zu Anfang des Jahres 1921 konnte man mit den Übungsstunden beginnen, und bereits zum Schützenfest führte das junge “Pfeifer- und Trommler-Korps” unter dem Tambourmajor Alfons Mühren den Schützenzug mit zündender Marschmusik an.


Spielmannszug 1923

obere Reihe:
Aloys Flüthmann, Ernst Janning, Klemens Voß, Josef Wiechers, Karl Volkery, Karl Flüthmann, Josef Schürmann
mittlere Reihe:
Franz Löcken, Heinrich Dirkes, Alfons Mühren, Bernhard Flüthmann, Heinrich Naber
untere Reihe:
Karl Klaas und Heinrich Flüthmann

Nach den Statuten des Vereins hat der König die Pflicht, für das nächste Schützenfest den Vogel zu stellen. August Flüthmann wollte dieser Verpflichtung in der üblichen Weise nachkommen und einen Vogel aus Tannenholz anfertigen. Der Vorsitzende Karl Sandmann jedoch befürchtete, dass der Vogel bei vollständiger Beteiligung der Mitglieder, also bei 84 Schützen, nicht einmal eine Runde durchstehen würde, und riet dem König, doch einen stärkeren Vogel herzustellen. Der König beherzigte den Rat und suchte sich aus der Wallhecke des Bauern Krey einen knorrigen Buchenstamm. Daraus wurde der Rumpf des Vogels gefertigt. Anschließend wurde er in Öl getränkt und auf dem Heizkessel der Fabrik Kerstiens getrocknet. Diese Prozedur wurde einige Male wiederholt. Die Folgen blieben nicht aus. Als man kurz vor dem Fest den Vogel aufputzen wollte, war kein Nagel in den Rumpf zu kriegen. Farbe nahm das “Tier” überhaupt nicht mehr an. Es blieb keine andere Wahl, als einen Vogeltorso, ohne Flügel und ungestrichen auf die Stange zu setzen. Dann begann das Ringen um die Königswürde. Bis 12.30 Uhr wurde mit einfachen Gewehren geschossen. Der Vogel rührte sich nicht. Karabiner wurden herbeigeholt, und das Schießen ging weiter. Die Uhr zeigte 15.30 Uhr, und noch immer trotzte der Vogel. Alfons Mühren machte dem Treiben ein Ende. Er durchschoß kurzerhand die Vogelstange. Da der Terminplan bereits um mehr als drei Stunden überschritten war, wurde Alfons Mühren zum Schützenkönig (Stangenkönig) ausgerufen.
Auch das Schützenfest 1932 war mit einigen Komplikationen verbunden. Das Vogelschießen war auf die neue Schießanlage am Vereinslokal verlegt worden. Den Königsschuß vollführte Hermann Schlattmann, zur Königin wählte er Gertrud Hegemann. Die Adjutanten preschten davon, der Erwählten ihr Glück zu melden. Doch die war bereits im Laufe des Vormittags nach Münster gefahren. Wie konnte man sie schnellstens nach Sutrum-Harum holen? Karl Rengers besaß ein Auto und erklärte sich bereit, mit den Adjutanten nach Münster zu fahren und die Königin zu holen. Auf dem Rückweg kamen sie durch Wettringen, wo zu eben dieser Stunde der Bischof von Münster zur Firmung erwartet wurde. Dichtgedrängt säumten die Einwohner die Straße, um den hohen Herrn zu begrüßen. Als nun der Wagen mit den Adjutanten und der Königin am Ortseingang erschien, glaubte ein Ordner, der Bischof sei eingetroffen, und gab ein Zeichen. Die Leute verneigten sich ehrfurchtsvoll. Zunächst verdutzt, nützte der Adjutant Franz Löcken schalkhaft die Situation und spielte den segnenden Bischof. Hinterher lachte er sich ins Fäustchen: “De häb wi fein hat”.
1937 fiel das traditionelle Wurstaufholen zur Fastnacht aus. Auf mehren Höfen in der Bauerschaft wütete die Maul- und Klauenseuche. Um nicht zur Ausbreitung der Seuche beizutragen und weitere Viehbestände zu gefährden, verzichtete man auf den alten Brauch.


Im III. Reich
Wie aus den Unterlagen im Gemeindearchiv hervorgeht, konnten die Schützenvereine in den ersten Jahren des dritten Reiches ihre Feste in gewohnter Weise durchführen.
Aber ab 1936 begannen die erlassenen Verordnungen zu wirken. Sämtliche Vereine mussten sich dem Deutschen Schützenbund und damit dem Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) anschließen.
In den Vereinen wurden zwangsweise Schießgruppen eingerichtet. Der Kreisschützenführer machte den Vereinen klar, dass die Schützenvereine nicht die Aufgabe hätten, Schützenfeste und andere Feiern zu veranstalten, sondern ihre Hauptaufgabe läge darin, in der Wehrhaftmachung des deutschen Volkes mitzuarbeiten. Alle Versammlungen mussten mit einem dreifachen Sieg Heil auf den Führer und Reichskanzler beendet werden.


Protokoll vom 19. Januar 1936
Das Protokollbuch der Generalversammlungen ist eines der wenigen noch vorhandenen Vorkriegsdokumente. Die Tagesordnungspunkte, Vorstandswahlen und einige außerordentliche Begebenheiten sind darin festgehalten. In dem Protokoll der Versammlung vom 26. April 1936 findet sich ein Hinweis, wie die nationalsozialistischen Machthaber in ihrem totalitären Machtanspruch auch die Schützenvereine unter ihren Einfluß zwangen; die neu gegründete Schießgruppe des Schützenvereins hatte ein Opferschießen zu Gunsten des Winterhilfswerks durchzuführen und an weiteren Veranstaltungen dieser Art in Borghorst teilzunehmen.

Wie sehr behördlicherseits auf die Einhaltung der Vorschriften und Verordnungen geachtet wurde, erfuhr der Schützenverein Sutrum-Harum beim Schützenfest 1939. Absichtlich oder versehentlich hatte man es unterlassen, die Fahnenschleife mit dem Hakenkreuz an der Vereinsfahne mitzuführen. Irgendwie hatten es die zuständigen Stellen erfahren und schon beim Auszug aus der Kirche erhielt die Vereinsführung einen polizeilichen Verweis. Als aber die Schleife abends bei der Polonaise immer noch fehlte, erschienen Bürgermeister und Polizei auf dem Königsball und ordneten den Abbruch des Festes an. Den vereinten Bemühungen Josef Laumanns und des Königs Karl Reinke gelang es, dass doch noch weitergefeiert werden durfte. In erster Linie war es jedoch wohl dem Umstand zu verdanken, dass Karl Reinke ein Spanienkämpfer war, die zu der Zeit hoch geachtet wurden.


Der zweite Weltkrieg
Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges am 01. September 1939 kam der Schützenverein völlig zum Erliegen. Fast alle wehrfähigen Männer wurden zum Waffen- und Kriegsdienst für das Vaterland einberufen und kämpften an den verschiedensten Fronten. 67 Männer opferten ihr Leben, unter ihnen der Vereinswirt Bernhard Kaulinglöbbers. Mit dem Einzug der alliierten Truppen in Neuenkirchen am 01. April 1945 rollte die Kriegsmaschine über die engere Heimat hinweg. Die Bewohner durften ihres Lebens allmählich wieder sicher sein. Zum Jubel aber bestand bei dem Verhalten der Militärregierung und der Besatzungstruppen kein Anlass. Das erklärte Ziel der Siegermächte war die Entmachtung und Entmilitariesierung des deutschen Volkes, ja allen militärischen und militaristischen Geist mit Stumpf und Stiel auszurotten für alle Zeiten. Was lag da näher, als gegen die Schützenvereine vorzugehen? Beim Schützenverein Sutrum-Harum leisteten sie ganze Arbeit. Das Vereinslokal wurde von den Engländern als Truppenunterkunft beschlagnahmt; damit fiel ihnen das Vereinseigentum in die Hände. Die Fahnen, Schärpen und Hüte wurden verbrannt, die reich verzierten Degen nahmen sie mit. Die Bankkonten wurden von der Militärregierung eingezogen. Übrig blieb nichts.

Nach dem zweiten Weltkrieg
Die notvolle Nachkriegszeit und die nur langsam anlaufende Rückkehr der Soldaten aus Lazaretten und Kriegsgefangenschaft reizten kaum zu geselligen freudvollen Festen. Erst 1947 regten sich die Stimmen, den Schützenverein wieder zu begründen und zu beleben. Auf der ersten Versammlung wurde Josef Laumann erneut zum 1. Vorsitzenden gewählt, und Heinrich Mühre, der schon 1938 zum Schriftführer gewählt worden war, erklärte sich bereit, das Amt abermals zu übernehmen. Der Initiative und Tatkraft dieser beiden Männer, unterstützt vom übrigen Vorstand, ist es zu verdanken, dass am 03. August 1947 wieder ein Schützenfest stattfinden konnte. Den Schützenzug führen eine von etlichen Damen angefertigte Fahne und der neu formierte Spielmannszug an.


Um das Zustandekommen des neuen Spielmannszuges bemühten sich sich besonders Hermann Schlattmann, Karl Klaas und Karl Stegemann (er kam erst 1949 aus der Kriegsgefangenschaft wieder). Hermann Schlattmann dirigierte ihn als Tambourmajor.

Spielmannszug im Jahre 1949

hintere Reihe:
Ferdinand Albers, Paul Deilen,
Alfons Antemann, Alfred Sandmann,
August Naber, Karl Flüthmann,
Karl Wehmschulte, Paul Walter,
Albert Berkemeier
vordere Reihe:
Alfons Woltering, Ewald Albers,
Heinz Kramer, Franz Antemann,
Franz Wiesmann, Josef Naber,
Karl Klaas, Bernhard Naber,
Josef Hemelt, Theo Wesseling,
Franz Klünnen und Ewald Lauel


Das Schießen mit Gewehren war seitens der Militärregierung verboten; man schoss deshalb mit einer Armbrust auf einen Torfvogel. Der Königsschuss gelang nach langem Ringen Josef Thies, er wählte sich Theresia Hegemann zur Königin. Da das Geld nahezu wertlos war, musste die Musikkapelle im wesentlhen in Naturalien bezahlt werden, u.a. Mit 400 Eiern, die bei den Mitgliedern hierfür gesammelt worden waren. Auch alkoholische Getränke waren in den ersten Nachkriegsjahren Mangelware. Um trotzdem die rechte Stimmung zu gewinnen, brachten die Festteilnehmer ihren selbstgebrannten Schnaps mit, Marke `Balkenbrand'.

Das Schützenfest 1948 fiel buchstäblich ins Wasser. Unaufhörlich strömender Regen machte das Schießen an der Vogelstange in der Holtstiege - 1939 hatte man sie dorthin verlegt - unmöglich und zwang zur Improvisation. Kurz entschlossen richtete man den Vogel vor dem Eingang des Vereinslokals auf und schoss mit der Armbrust aus dem schützenden Eingang.

In den 50er Jahren
Allmählich hatte der Schützenverein seinen Rhythmus wiedergefunden. Er stand auf einem soliden Fundament, wenn gleich die Kassenlage noch keine großen Sprünge zuließ. Deshalb wurde auch das 125-jährige Bestehen 1951 nur intern gefeiert. Die Festrede hielt Bürgermeister Josef Gottke. Die alten Kämpen fanden es allmählich an der Zeit, jüngeren Kräften Platz zu machen. So übergaben Josef Laumann und Heinrich Mühre ihre Ämter an Bernhard Flege und Josef Wehmschulte; Hermann Schlattmann hatte den Tambourstock bereits ein Jahr vorher in die Hände von Alfons Woltering gelegt. Seiner großen Verdienste halber wurde Josef Laumann zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Die vordringlichste Arbeit der neuen Vereinsführung war die Ausarbeitung von Statuten. In mehreren Sitzungen wurden sie ausgearbeitet und abgefasst und der Mitgliederversammlung am 14. April 1952 vorgelegt, die sie genehmigte und damit in Kraft setzte.


Das Vereinslokal, die Gaststätte “42” um 1950
Das Schützenfest 1952 nimmt insofern eine besondere Stellung ein, als es nicht im Vereinslokal gefeiert wurde. Die verwitwete Vereinswirtin Sophia Kaulinglöbbers hatte wieder geheiratet. Der neue Hausherr, Meinolf Varro, hatte die Räumlichkeiten des Lokals von Grund auf erneuern lassen. Der Schützenverein wollte das Fest groß aufziehen und zusätzlich zum Saal ein Festzelt aufbauen. Verhandlungen zwischen dem Vereinswirt und Vereinsvorstand zwecks Übernahme der Kosten führten zu keiner Einigung. Beide Parteien blieben hartnäckig. Der Vorstand verhandelte und einigte sich darauf mit dem Wirt und Schützenbruder Karl Rengers. So wurde in diesem Jahr an historischer Stelle, bei `Kösters an der Schüttenrode`, das Zelt aufgebaut und Schützenfest gefeiert. Es blieb aber bei dieser einmaligen Unterbrechung der Tradition; Verein und Wirt fanden bald wieder zusammen.


Als ereignis- und erfolgreich steht in den Annalen des Schützenvereins das Jahr 1954. Im Ablauf der Fastnachtsfeier vollzog sich eine markante Änderung. Schon länger hatte es beim Wurstessen kleine Meckereien und Unzufriedenheiten gegeben. Von Anfang an war es Brauch gewesen, dass Mitglieder des Schützenvereins gruppenweise mit `Fleeskgaffel` und `Eierküorfken` etliche Tage vor Fastaobend durch die Bauerschaft zogen und Mettwürste, Eier und Speck sammelten, die am Festtag verzehrt wurden.
Nun war es bei besten Willen nicht möglich, dass alle Leute kurz vorher ein Schwein schlachteten, um eine frische Mettwurst zu spenden. Auch manche schon ziemlich trockene Wurst wanderte in die Pfanne, wo sie allen Bratkünsten zum Trotz nicht wieder frisch wurde. Für Jemanden, der an einem solchen `drügen Piggen` zu kauen hatte, war es ein Vergnügen, andere an einem frischen Ende schmausen zu sehen. So befürworteten viele, das Wurstholen aufzugeben und stattdessen frische Mettwurst vom Metzger zu beziehen. Es gab harte Diskussionen um die alte Tradition. So leicht konnten sich viele nicht von dem alten liebgewordenen Brauch trennen. Andererseits galt es zu bedenken, dass allzu starre zeitfremde Formen den Tod jeder Institution bedeuten. Schließlich einigte man sich auf einen schrittweisen Abbau der alten Sitte. 1954 zogen die Gruppen noch durch die Bauerschaft, sammelten aber nur noch Eier und Speck und Geldspenden zur Deckung der Kosten; frische Mettwurst wurde beim Metzger gekauft. Ab 1955 bürgerte sich eine neue Regelung ein. Eine Woche vor der vereinsinternen Fastnacht zieht der Spielmannszug mit klingendem Spiel durchs Dorf, um formell die Wurst beim Metzger zu bestellen.
Alle Vereinsmitglieder können sich dem Zug anschließen, denn nach dem offiziellen Akt legt die Vereinsführung in dem Verein verbundenen Gaststätten H.Niehues Ww und `Up halven Wegg` in jährlichem Wechsel ein Fass Freibier auf. Die rege Beteiligung bezeugt, dass man eine gute, zeitgemäße Lösung gefunden hat.

Der Schützenverein hat stets eine Ehrenpflicht darin gesehen, am Tage seines Hochfestes, des Schützenfestes, derer zu gedenken, die zum Schutz von Heimat, Volk und Vaterland ihr Leben geopfert haben. Seit Erstellung des Ehrenmals für die Gefallenen des ersten Weltkrieges im Jahre 1922 an der Friedenstraße, hielt man dort nach der heiligen Messe am Festtag eine kurze Gedenkfeier und legte einen Kranz nieder.

Die große Anzahl der Opfer des zweiten Weltkrieges, deren Namen auf dem alten Ehrenmal keinen Platz mehr fanden, weckte den Wunsch, den Gefallenen beider Kriege, innerhalb der Bauerschaft ein würdiges Ehrenmal zu schaffen. Der Ehrenvorsitzende Josef Laumann stellte kostenlos ein geeignetes Grundstück zur Verfügung. Die Errichtung des Mahnmals und die Gestaltung der Anlage wurden Sache des Schützenvereins. Seine Mitglieder sammelten die erforderlichen Gelder in der Bauernschaft und opferten manche freie Stunde, um den Platz zu erstellen. 1954 war das Werk vollendet und wurde in einer besinnlichen Feierstunde eingeweiht. Für die Pflege und Instandhaltung der Anlage wurde von jedem Mitglied ein Jahresbeitrag von 1,- DM erhoben. Das die ganze Ehrenanlage sich in den folgenden Jahren stets als ein Schmuckstück der Bauerschaft präsentierte, war in erster Linie der Verdienst von Heinz Volkery, der sich ihrer mit dankenswertem Einsatz annahm.

Kriegerehrenmal des Schützenvereins und der Bauerschaft Sutrum-Harum
im Jahre 2001

Zum Schützenfest 1954 hatte der Verein eine neue Fahne angeschafft. Die Fahnenweihe fand auf dem Hof Spinola statt. Viele befreundete Vereine waren durch Abordnungen vertreten. Aus Anlass des freudigen Ereignisses wurde erstmalig ein Kaiserschießen durchgeführt und beschlossen, es von nun an in einem fünfjährigen Turnus zu wiederholen. Heinrich Weßling schoss den Vogel ab, wurde damit der erste Kaiser und wählte sich Margret Kaulinglöbbers zur Kaiserin.


In den 60er Jahren
Allmählich drängten sich die Schützenvereine immer mehr in die Öffentlichkeit. Das Königsschießen war keine vereinsinterne Angelegenheit mehr, sondern scharenweise fanden sich Zuschauer ein, die mit Interesse dem Geschehen zusahen und bei Bier und Würstchen selber in

Feststimmung gerieten. Um noch mehr Schaulustige anzulocken und auch den Frühschoppen am Montagmorgen ohne Zeitdruck durchhalten zu können, verlegte der Verein ab 1960 das Schießen um die Königswürde wieder auf den Sonntag.

Das Jahr 1962 ist in den Annalen des Schützenvereins als `Jubeljahr der Könige` verzeichnet. Gleich fünf Könige standen auf den Ehrenpodium: Hubert Brink als eiserner König (1897); Bernhard Voß als goldener König (1912); Karl Roß als silberner König (1937); Oskar Altehenger als alter König (1961) und Josef Volkery als neuer König (1962).

Das Jahr der fünf Könige

von links
Oskar Altehenger - alter König (1961)
Bernhard Voß - goldener König (1912)
Hubert Brink - eisener König (1897)
Karl Roß - Silberkönig (1937)
Josef Volkery - neuer König (1962)


Unter einem ungünstigen Stern stand das Jahr 1963. Einige Wochen vor dem Schützenfest, am 24. Juni, wirkte der Spielmannszug traditionsgemäß beim Schützenfest auf der Schleupe mit. Auf dem Heimweg verunglückten der Tambourmajor Alfons Woltering und die Spieler Alfred Volkery, Josef Werning und Eugen Schürmann bei einem Verkehrsunfall tödlich. Es war ein lähmender Schlag für den Schützenverein. Er neigte sich vor dem tragischen Schicksal der jungen Männer, respektierte das Leid und die Trauer der Angehörigen und dokumentierte seine Verbundenheit mit den Leidtragenden, indem er auf das Schützenfest verzichtete und ausfallen ließ.

Doch wie das Leben weitergeht und seine Forderungen stellt, stand auch der Schützenverein vor Aufgaben und Problemen, die Lösungen und Entscheidungen verlangten. Das Kriegerehrenmal bedurfte einer größeren Instandsetzung und Verschönerung. Gestaltungs- und Finanzierungspläne wurden gleich in Angriff genommen, so dass die Arbeiten 1968 durchgeführt werden konnten.

Das `Hexen`, das die `Unentwegten` am dritten Schützenfesttag in der Gastwirtschaft Schulte-Sutrum durchzuführen pflegten, wurde wegen des immer stärker werdenden Verkehrs auf der Rheiner Straße ins Vereinslokal verlegt.

Die Königskette, inzwischen immer umfangreicher und gewichtiger geworden, wurde geteilt. An der alten Kette verblieben die Schilder von 1919 bis 1939.


Bei der ständig wachsenden Zahl der Mitglieder gestaltete sich die Besetzung der Offiziersposten immer schwieriger und führte oft zu unliebsamen und unerfreulichen Szenen. Um das abzustellen, wurde 1965 beschlossen, das Einzugsgebiet des Schützenvereins gebiets- bzw. straßenweise in zunächst vier dann sogar in acht Bezirke aufzuteilen, die in jährlichem Wechsel in fester Reihenfolge das Offizierskorps stellen sollten: Feldhoek, Hasenhügel, Kreyenburg, Vinnhagen, List, Wiesenhäuser, Mesumer Straße, Rheiner Straße und Brink. Diese Aufteilung bewährte sich, und fortan hatte die Rangelei um die Posten ein Ende.

Doch zeichnete sich bald eine andere Folge ab; es standen dem Offizierskorps nicht immer genügend Reiter und Pferde zu Verfügung. Dieser Umstand und die hohen Kosten der Versicherung bewirkten, dass man den lange gepflegten Brauch der berittenen Offiziere 1967 einstellte.



Die seit 1939 benutzte Vogelstange an der Holtstiege entsprach nicht mehr den neuen amtlichen Sicherheitsvorschriften und Bestimmungen. Es musste ein Kugelfang gebaut werden. Eingeholte Kostenanschläge über die zu treffenden Maßnahmen, die alle Sicherheitsanforderungen in vollem Umfange erfüllten, beliefen sich auf 1.800,- DM. Bei der Höhe dieser Summe mehrten sich die Stimmen derer, die einen neuen und günstigeren Standort der Schießanlage in unmittelbarer Nähe des Vereinslokals forderten. Die Befürworter dieses Planes hofften auf eine finanzielle Beteiligung des Vereinswirtes Walter Thies. Sie täuschten sich nicht. Der Wirt erklärte sich, als man ihm den Vorschlag unterbreitete, spontan bereit, eine beträchtliche Summe beizusteuern unter der Bedingung, die Anlage etwa bei Betriebsfeiern usw. benutzen zu dürfen. Auch die notwendigen Grundstücksverhandlungen mit den Bauern Spinola und Kappelhoff verliefen erfolgreich, so dass zügig mit der Arbeit begonnen werden konnte. Ihre Bewährungsprobe bestand die Anlage beim Schützenfest 1969 gleich zweimal, beim Königs- und Kaiserschießen.
Die neue Vogelstange wird 1969 am Vereinslokal “42” aufgebaut.


Zu Beginn der 70er Jahre
Die Statuten, 1952 abgefasst, waren nicht mehr zeitgemäß und bedurften der Überarbeitung und Ergänzung.


Paul Flüthmann
1.Vorsitzender 1963 - 1970
Der Vorsitzende Paul Flüthmann, dessen Amtszeit 1969 an sich abgelaufen war, wurde für ein zusätzliches Jahr in seine Amt bestätigt mit dem Auftrag, diese Arbeit mit dem Vorstand im kommenden Jahr durchzuführen. Auf der Frühjahrsversammlung 1970 gab das Vorstandsmitglied Heinz Schürmann einen Zwischenbericht über den Stand der Arbeiten und regte gleichzeitig an, den Schützenverein in das Vereinsregister des Amtsgerichts Rheine eintragen zu lassen.
Die Generalversammlung vom 22. November 1970 brachte einen Wechsel in der Vereinsführung. Paul Flüthmann legte sein Amt als Vorsitzender, das er sieben Jahre innegehabt hatte, nieder. Sein Nachfolger wurde Heinz Schürmann. Er brachte neue Ideen und Impulse in das Vereinsleben. Über die Mitgliedsbeiträge hinaus neue Geldquellen zu erschließen, war seine Devise und die des gesamten Vorstandes.

Heinz Schürmann
1.Vorsitzender 1970 - 1976


Eine Möglichkeit sah man in der Durchführung öffentlicher Tanzveranstaltungen auf dem neuen Saal des Vereinslokals. Bekannte, zugkräftige Kapellen und Bands wurden verpflichtet, so dass man im allgemeinen einen vollen, oft einen übervollen Saal hatte und mit Gewinn abschließen konnte. Manche Vorhaben und Aufgaben, die in naher Zukunft anlagen, ließen sich bei einem guten Finanzpolster leichter lösen und in einem größeren Rahmen aufziehen. Mit der Neuorganisation des Karnevalsfestes begann man 1971. Zum ersten mal feierte der Verein mit Prinz und Elferrat, der sich aus Mitgliedern des Spielmannszuges zusammensetzte. Alfred Rengers erklärte sich bereit, das Amt des Präsidenten zu übernehmen. Brausender Beifall erscholl, als Prinz Hugo von Körkenien mit Prinzessin Hilde und dem Hofstaat angeführt vom Präsidenten, in den bis auf den letzten Platz gefüllten Saal einzog. Mit Geschick und Können führte der Präsident durch das von ihm und dem Vereinsvorstand erarbeitete Programm. Die Begeisterung und der Nachhall ermunterten die Verantwortlichen, auf dem beschrittenen Wege fortzufahren.


Karnevalspräsident Alfred Rengers
mit zwei Gardemädchen,
Hildegard Rengers und Maria Schürmann
Afred Rengers wurde als `Präsident auf Dauer` bestimmt und führte im nächsten Jahr, eskortiert von zwei Gardemädchen, gleichsam der Keimzelle der späteren Tanzgarde, Prinz Rudolf I von Botanien und Kreyenburg-City, mit Prinzessin Helene und Elferrat in die Versammlung der erwartungs- und stimmungsvollen Karnevalisten. Die Büttenreden sprühten vor Humor und Witz, so dass man auch dieses Fest als vollauf gelungen bezeichnen konnte. Neu in das Programm aufgenommen wurde die Verleihung des Verdienstordens des Schützenvereins Sutrum-Harum. Zum ersten Träger des Ordens wurde Theo Wesseling erwählt, aufgrund seiner Verdienste um den Spielmannszug und seiner langjährigen Tätigkeit im Vorstand. Zielbewusst schritt man nun auf dem betretenen Weg fort. Eine Tanzgarde wurde ins Leben gerufen. Ihre Betreuung und die Einübung der Tänze übernahm Anita Nieweler aus Catenhorn. Erstmalig bereicherten die Mädchen 1974 die Karnevalsfeier mit ihren Garde- und Schautänzen. Heute darf man sagen, dass die 1971 eingeleitete Umgestaltung und Modernisierung der Karnevalsfestlichkeiten sich bewährt und Karneval sich zu einem Höhepunkt im Leben des Schützenvereins entwickelt hat. Präsident, Prinzenpaar, Elferrat und Tanzgarde sind zu einem festen Bestandteil des Karnevals geworden.


Die gute Kassenlage des Schützenvereins Sutrum-Harum ermöglichte es, Jubilar- und Verdienstehrungen im erhöhten Maß vorzunehmen. Sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen des Festbuches sprengen, doch seien ein paar wegen ihrer Besonderheit erwähnt. Als man zum Schützenfest 1974 den König ausgeholt hatte, begab sich der ganze Zug (ca. 170 Mann stark), zum Hause des 94-jährigen Bernhard Rauße, um ihm anlässlich seiner 75 jährigen Zugehörigkeit zum Verein ein Ständchen darzubringen und zu gratulieren. Glücklich dankte der Jubilar und wünschte als Abschluss des kleinen Festaktes den Marsch `Alte Kameraden`. Nicht minder glücklich und froh waren die alten Herren, die 50 und mehr Jahre dem Verein angehörten, als sie am nächsten Tag auf dem Ehrenpodium standen.

Eine besondere Ehrung wurde auch dem langjährigen Bürgermeister Bernhard Lorenbeck zuteil. Obwohl er nie ein Amt im Schützenverein bekleidet hatte, war er viele Jahre Mitglied, und der Verein war stolz auf seinen Schützenbruder, der in seiner anerkannt redlichen Art als Bürgermeister so viele Jahre für die Gemeinde und damit auch für die Bauerschaft gesorgt hatte, und verlieh ihm für besondere Verdienste um die Gemeinde Neuenkirchen beim Karnevalsfest 1975 den `Hausorden des Prinzen`.

Eine Begebenheit sollte auch nicht unerwähnt bleiben. Im Jahre 1974 führte der Verein zahlreiche Tanzveranstaltungen mit guten Gewinnen durch. Der Vorstand beschloss, den Gewinn einer Veranstaltung für gesunde frohe Menschen (900,- DM) der Tagesstätte für behinderte Kinder in Rheine zu spenden. Der Vereinswirt rundete die Summe auf 1.000,- DM auf.

150-jähriges Bestehen (Jubelfest vom 02. bis 05. Juli 1976)

Diese Seite ist noch in Bearbeitung.



nach oben

Letzte Bearbeitung dieser Seite: Mittwoch, 08.08.2012, 21:11 Uhr | Impressum | Infos: